Der Haarfollikel wo jedes Haar entsteht.

Rund 100.000 Haarfollikel sitzen auf der Kopfhaut eines Erwachsenen. Wie sie aufgebaut sind, in welchem Rhythmus sie arbeiten und was passiert, wenn sie aus dem Takt geraten.

Gegenlicht lässt einzelne Strähnen kupferroten Haares an Ohr und Schulter einer Frau leuchten

Aufbau eines Haarfollikels

Ein Haarfollikel reicht bis in die Unterhaut. Von außen sehen Sie nur die Öffnung, die Pore, aus der das Haar wächst.

Haarpapille
Kleiner Gewebehügel am Grund, durchzogen von Blutgefäßen. Er versorgt die Haarwurzel und steuert, wie dick und wie lange ein Haar wächst.
Haarzwiebel (Bulbus)
Hier teilen sich die Zellen der Haarmatrix. Pigmentzellen geben dem Haar seine Farbe.
Wurzelscheiden
Mehrere Zellschichten, die das wachsende Haar wie ein Futteral umgeben und führen.
Talgdrüse
Mündet in den Follikel und gibt Talg ab, der Haar und Haut geschmeidig hält. Zu viel davon zeigt sich als fettiger Ansatz.
Haarbalgmuskel
Winziger Muskel, der das Haar aufrichtet – die Gänsehaut.
Wulstregion
Hier sitzen Stammzellen, aus denen sich der Follikel nach jeder Ruhephase erneuert.

Der Haarzyklus

Jeder Follikel arbeitet unabhängig von seinen Nachbarn. Deshalb fallen nie alle Haare gleichzeitig aus – und 50 bis 100 Haare am Tag zu verlieren ist normal.

Richtwerte, individuell verschieden.
PhaseDauer am KopfWas passiertAnteil der Haare
Anagen (Wachstum)etwa 2 bis 6 JahreDas Haar wächst rund 1 cm pro Monat.etwa 85 bis 90 %
Katagen (Übergang)etwa 2 bis 3 WochenDie Haarbildung stoppt, der Follikel zieht sich zusammen.etwa 1 %
Telogen (Ruhe)etwa 2 bis 4 MonateDas Haar sitzt locker und fällt aus, sobald ein neues nachschiebt.etwa 10 bis 15 %

Wie lang Ihr Haar maximal werden kann, hängt vor allem von der Dauer der Wachstumsphase ab. Bei Wimpern und Brauen ist sie nur wenige Monate lang – deshalb bleiben sie kurz.

Was Follikel über Ihr Haar bestimmen

  • Form: Runde Follikel bilden eher glattes Haar, ovale bis abgeflachte eher welliges bis lockiges.
  • Farbe: Pigmentzellen in der Haarzwiebel bilden Melanin. Lässt ihre Arbeit mit den Jahren nach, wächst das Haar grau oder weiß nach.
  • Stärke: Große Follikel bilden kräftige Terminalhaare, kleine nur feine Flaumhaare.

Wenn der Follikel aus dem Takt gerät

Erblich bedingter Haarausfall
Die Follikel reagieren empfindlich auf Dihydrotestosteron (DHT). Mit jedem Zyklus wird die Wachstumsphase kürzer und der Follikel kleiner, bis nur noch feine, kurze Haare wachsen. Bei Männern zeigt sich das an Geheimratsecken und Oberkopf, bei Frauen am breiter werdenden Scheitel.
Telogeneffluvium
Viele Follikel wechseln gleichzeitig in die Ruhephase, zum Beispiel nach Fieber oder großer Belastung. Zwei bis drei Monate später fallen die Haare aus – der Follikel bleibt aber intakt. Siehe diffuser Haarausfall und Haarausfall durch Stress.
Kreisrunder Haarausfall
Das Immunsystem greift die Follikel an; sie ruhen, bleiben aber erhalten. Mehr unter kreisrunder Haarausfall.
Follikulitis
Entzündung des Haarfollikels, oft durch Bakterien – sichtbar als kleine rote Pünktchen oder Pusteln um ein Haar. Hält sie an oder breitet sie sich aus, sollte eine Ärztin sie ansehen.
Vernarbender Haarausfall
Entzündungen oder dauerhafter Zug zerstören den Follikel und ersetzen ihn durch Narbengewebe. Dann wächst dort kein Haar mehr – daher ist frühes Handeln wichtig, etwa bei Traktionsalopezie.

Lassen sich Haarfollikel „aktivieren“?

Ein zerstörter, vernarbter Follikel lässt sich nicht wiederbeleben. Ein geschrumpfter oder ruhender Follikel ist dagegen noch da – genau dort setzen Haarwuchsmittel an: Sie sollen die Wachstumsphase verlängern oder den Übergang in die Ruhephase bremsen. Untersucht sind dafür unter anderem Minoxidil (Arzneimittel) und kosmetische Wirkstoffe wie AnaGain™ und Procapil™, die zum Beispiel im Serum von LADUTI kombiniert sind. Einen ehrlichen Überblick finden Sie in unserem Vergleich der Haarwuchsmittel.

Bei einer Haartransplantation werden ganze Follikel vom Hinterkopf, wo sie meist unempfindlich gegen DHT sind, an lichte Stellen verpflanzt.

Häufige Fragen

Wie viele Haarfollikel hat ein Mensch?

Auf der Kopfhaut sind es etwa 100.000, am ganzen Körper rund fünf Millionen. Neue Follikel bildet der Körper nach der Geburt nicht mehr.

Was ist der schwarze Punkt in einer Haarpore?

Meist ein Haar, das knapp unter der Haut abgeschnitten oder rasiert wurde, oder ein Talgpfropf, der an der Luft dunkel wird. Ist die Stelle gerötet, schmerzhaft oder eitrig, kann eine Follikelentzündung dahinterstecken.

Wächst ein ausgerissenes Haar nach?

Ja, solange der Follikel unversehrt ist. Wiederholtes Ausreißen oder ständiger Zug kann ihn auf Dauer schädigen.

Woran erkenne ich, ob ein Follikel noch lebt?

Zeigen sich an der lichten Stelle noch feine, kurze Haare, sind die Follikel meist noch aktiv. Glatte, glänzende Haut ohne Poren kann auf Vernarbung hinweisen. Sicher beurteilen kann das eine Hautärztin mit einer Auflichtuntersuchung.